So vergessen Patienten das Schmerzgedächtnis

Schmerzen hinterlassen Spuren. Infolge nozizeptiver Reizungen kommt es zu Umstrukturierungen bestimmter ZNS-Regionen. Wie Sie Ihre Schmerzpatienten praktisch darin unterstützen können, dass diese Ihr Schmerzgedächtnis wieder „löschen“, lesen Sie hier.

Re-Learning: Das Schmerzgedächtnis kann vergessen lernen

Eine Löschtaste, um das Schmerzgedächtnis zu vergessen, käme vielen der rund 12 Millionen chronischen Schmerzpatienten in Deutschland entgegen.1 Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Entstehung des Schmerzgedächtnisses ist komplex und umfasst physiologische sowie neuroanatomische Prozesse einschließlich psychosozialer Faktoren.

Dennoch kann das Schmerzgedächtnis „überschrieben“ werden. Der Neuropharmakologe Professor Dr. Walter Zieglgänsberger vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie erklärt die Revision des Schmerzgedächtnisses wie folgt: Im Rahmen einer Analgetika gestützten Verhaltenstherapie erlernt der Schmerzpatient, dass er Bewegungen und Abläufe wieder schmerzarm durchführen kann. Im Fokus der Therapie stehe die Aktivierung anderer Hirnareale, um so das Schmerz-Engramm zu schwächen.

Schmerzgedächtnis: Chronifizierung des Schmerzes muss früh verhindert werden

Um der Ausbildung des Schmerzgedächtnisses entgegenzuwirken, empfehlen Experten eine frühzeitige Behandlung mit stark wirksamen Analgetika.2 Insbesondere der Einsatz von Opioiden der Stufe-III ist hier angedacht.2 Bei der Therapiewahl sollten Sie Komorbiditäten, Nebenwirkungen und die Patientenpräferenz berücksichtigen. Beispielsweise eignen sich Hydromorphon oder Buprenorphin aufgrund der geringen Proteinbindung für geriatrische und /oder multimorbide Patienten mit Polypharmazie.

Schmerzpatienten mit Response auf die Opioid-Schmerztherapie (z.B. bei spontaner Symptombesserung bei CNTS, wie chronischen Rückenschmerzen oder Postzosterneuralgie) empfiehlt die LONTS-Leitlinie, nach 6 Monaten über die Möglichkeit einer Dosisreduktion oder ggf. eines Auslassversuches aufzuklären. Während des Auslassversuchs sollte laut den Leitlinienautoren das Ansprechen auf zusätzliche eingeleitete unterstützende Therapiemaßnahmen, wie z.B. der multimodalen Therapie, evaluiert werden.

Entkopplung Schmerz & Emotion: So unterstützen Sie Ihre Patienten zusätzlich

Studien belegen, dass sich Schmerzen bereits innerhalb weniger Minuten auf die psychische Verfassung auswirken können. Je länger Schmerzen persistieren, umso mehr Emotionen ordnet ihnen der Betroffene zu.6-9 Doch der anfängliche Schmerz hat innerhalb von 10 Minuten nicht mehr viel mit dem Schmerzempfinden zu tun, erläutert der Neurologe Markus Ploner aus München, Universitätsklinikum rechts der Isar.6 Dies ist vermutlich auch der Grund, weshalb sich Schmerzen durch die Gabe von Placebos lindern lassen.

Und genau hier bei der Verknüpfung von körperlichem Schmerz und Psyche können Sie ansetzen: Geben Sie Ihren Patienten Methoden an die Hand, die Emotionen und Schmerz entkoppeln:

  • Schmerztagebuch führen: Dieses ermöglicht eine detailliertere Diagnose sowie die Beurteilung des Therapieverlaufs und -erfolgs. Zudem wird sich Ihr Patient bestimmter Verhaltensmuster und möglichem Fehlverhalten bewusst. Bestellen Sie noch heute das Aristo® Schmerztagebuch für Ihre Patienten.

Schmerztagebuch: Zur Bestellung

  • Sprachmuster verbessern durch positive Einstellung: Eine Studie von Forschern der Universität Jena zeigt, dass sich das Schmerzgedächtnis bereits durch einzelne Wörter aktivieren lässt, ein zusätzlicher Auslöser ist hierfür nicht notwendig.6,10 Die gezielte Einübung der Wahrnehmung positiver Ereignisse bzw. der verbalen Abschwächung schmerzverstärkender Gedanken * kann daher helfen, das Schmerzgedächtnis zu „vergessen“.
  • Schonhaltung abgewöhnen und körperliche Aktivität fördern: Schmerzpatienten stellen ihre körperlichen Aktivitäten oft komplett ein. Doch gerade bei Beschwerden wie Rückenschmerzen mindert ständiges Schonen die Lebensqualität noch mehr und kann die Schmerzen verstärken. Machen Sie Ihren Patienten klar, wie bedeutsam Bewegung ist, um den Teufelskreis aus Rückenschmerz, Schonhaltung, Abbau von Muskelmasse und verminderter Leistungsfähigkeit zu durchbrechen.
  • Gezielter Stressabbau, Meditation und ausgeglichene Work-Life-Balance: Schmerzen werden in angespanntem Zustand als stärker empfunden, deshalb ist es wichtig, das Stresslevel herabzusetzen.6 Empfehlen Sie Ihrem Patienten Meditation, Yoga, Tai-Chi oder eine andere nachweislich stressabbauende Aktivität.
  • Regelmäßiger Schlaf: Eine amerikanische Studie belegt, dass Patienten, die unter 6 Stunden täglich schlafen, eine um 30% gesteigerte Schmerzempfindung haben.6,10 Um Durchschlafen zu können, ist deshalb auch die Galenik des Analgetikums von großer Bedeutung – Ihren Schmerzpatienten sollten Sie eine Darreichungsform mit konstanter Wirkstofffreisetzung verordnen.

Schmerzverstärkende Gedanken:

  • Ich werde immer mit Schmerzen leben müssen.
  • Ich kann keinen Sport mehr machen.

So schwächen Sie die schmerzverstärkenden Gedanken durch Negativierung ab:

  • Derzeit habe ich Schmerzen, aber ich sorge dafür schmerzfrei zu sein.
  • Derzeit muss ich mich zur Aktivität überwinden, aber ich weiß, es tut mir gut.